MAKA TAO Für die Menschen auf den Philippinen

Es neigt sich dem Ende zu…

Achtung, der Autor fühlt sich ein bisschen schelmisch, der Beitrag kann also Spuren von Ironie und Nüssen enthalten…

Hi Guys, hi Girls,

für die, die sich jetzt wundern: Nein, nicht unser Aufenthalt auf den Philippinen. So schnell bekommt ihr uns nicht wieder und so schnell will ich hier auch gar nicht weg. Aber unser Eingewöhnungsmonat neigt sich jetzt deutlich dem Ende zu und so wissen wir auch endlich, wo wir ab dem 5. Oktober leben, arbeiten, schlafen, essen, usw. werden.

Lena…
*Trommelwirbel*
….geht nach… Mabini!

Und ich…
*Trommelwirbel*
….gehe nach… Bani!

So, nach diesem lang erwarteten, gefürchteten und erhofften Moment hat sich unsere Spannung auf die Zukunft zwar nicht gelegt, aber immerhin ist jetzt alles (ein ganz kleines bisschen) genauer geworden. Auch wenn Sr. Carol uns nicht verraten will, wo wir wohnen :-(.
Unsere endgültigen Arbeitsstellen stehen auch noch nicht 100% fest, aber höchstwahrscheinlich verschlägt es Lena in die SPED-Class in Mabini (Maka-Tao berichtete exklusiv) und mich in die SPED-Class nach Bani (Maka-Tao Sonderberichterstatterin Franziska Stöhr ermittelte Undercover). Ansonsten bleibt es vage, denn für unseren „Schedule“ (unsere Plan) sind wir ab jetzt selbst verantwortlich (mit Sr. Carol und unseren Gemeindepfarrern als Kontrollinstanz, also kein Jahr Dauer-Party auf den Philippinen 😉 Nur falls ihr das jetzt dachtet).

Was ist sonst noch seid unserem letzten Bericht passiert? Ein Blick in den Blog sagt: VIEL! Ja, wir haben (für unsere Verhältnisse) eine Ewigkeit nicht mehr berrichtet. Also: weiter gehts im Sauseschritt:

Wir waren im CFF – Sual (Maka-Tao Veteranen wissen: da war Sina eingesetzt). Ein wirklich toller Nachmittag hat uns dort erwartet. Einige Jugendliche aus Manila waren dabei, einen tag für die Kinde zu gestallten (quasi: Volunteers for a day 🙂 ) Wir haben einfach mitgemacht und ich habe gefühlte drei Stunden Fangen und Rangeln mit den Kindern gespielt. Als Belohnung haben sie endlich akzeptiert, dass ich nicht die Reinkarnation von Kuja („großer Bruder“) Flo bin und haben mir einen eigenen Namen zugestanden: Kuja „Ironman“. Also fragt nicht, warum ich da unbedingt arbeiten will :-).

Wir haben Bäumchen gepflanzt! Das klingt (wahrscheinlich wegen meiner Formulierung 🙂 ) so viel harmloser als es tatsächlich war. Das Treeplanting & Reforestation Project ist eine Initiative des Social Action Centers der Diocese und wird von einem schweizer Ehepaar geleitet: Simon & Imelda. Mit einer Gruppe von über hundert Schuljugendlichen (das Wort Schulkinder hat sich irgendwie doof angehört) im Alter von 13 – 16 Jahren sind wir nach Mangatarem, der letzten Stadt im Bistum Richtung Manila gefahren. Dort haben Simon und Imelda uns empfangen und Lena und mich gleich zu Assistenten befördert.
Wir sollten also die Jugendlichen koordiniern und einigermaßen aufpassen, dass sie ihre Setzlinge nicht totrampeln. Es war ein lustiger Vormittag mit wenig Toten (ähh Setzlingen). Erst eine kleine Wanderung (mit Durchwatung eines Flusses) den Hügel hinauf, wo die 100 ha des Reforestationprojekts liegen. 50 davon werden nur zum Anpflanzen von Primärwald verwendet, der den Boden stabilisiern und den Grund für eine vollständige Bepflanzung vorbereiten soll. Die anderen 50 werden unter Auflagen Bauern zur Verfügung gestellt, ohne Kosten, aber mit der Verpflichtung, beim Reforestation-Project zu helfen und die Felder nachhaltig mit organischem Dünger zu bepflanzen.
Als Belohnung für die harte Arbeit gab es einen heftigen Regenguss und ein kühles Bad im Fluss, sowie die fast schon legendäre Hängebrücke von Mangatarem. Alles in allem ein gelungener Tag.

Genaueres über die Beiden (Simon und Imelda) und ihr Projekt könnt ihr auf ihrem Blog: http://sanib.ch/ nachlesen.

Am Wochenende haben wir das zweite Mal im Chor der Pfarrei von Alaminos mitgesungen und ich durfte diesesmal endlich auch die Basslinie singen, bzw. habe endlich den Mund aufgemacht und gesagt, dass ich eigentlich ein Bass bin. Das hat meiner Motivation und meiner Kehle sehr gut getan.

Am Dienstag (gestern) hat Father Mel uns mit nach Dagupan genommen. Auch das war ein genialer Ausflug mit vielen neuen Gesichtern und Eindrücken. Die erste Station war „Papi Bruno“, schon wieder ein Schweizer. Irgendwie scheinen einige Schweizer die Philippinen sehr zu mögen. Kann ich schon nachvollziehen, ich kenne da aber jemanden, der jetzt wahrscheinlich verständnislos den Kopf schüttelt.Papi Bruno ist ein sehr guter Freund von Father Mel, deswegen auch „Papi“. Papi und seine philippinische Frau „Ate Nila“ haben uns zum Mittagessen eingeladen. Aber das HighLight, vor allem für Lena, war wohl Papi-Brunos-Brotbackmaschine. Papi Bruno leidet nämlich an der, unter Deutschsprachigen auf den Philippinen sehr verbreiteten, Krankheit Kein-Brot-ertitis und hat eine perfekte Lösung gefunden: Selber machen! Das Produkt kann sich sehen lassen und hat auch Lena und mich von den ersten Schüben dieser verzehrenden Krankheit geheilt.
Danach haben wir noch die Schwestern der Missionaries of Charity besucht (Maka-Tao Leser wissen: wieder ein Sina-Projekt 🙂 ). Lange konnten wir da nicht bleiben, weil wir die Besuchszeiten nicht kannten und so mitten in den Mittagsschlaf hineingeplatzt sind.

Als letzte Station haben wir Father Mels altes Priesterseminar besucht. Das hat mich extrem fasziniert / erstaunt, da die Kinder! schon mit 12 beitreten. Mel hat uns aber gestanden, dass die meisten keine Priester werden. Puh, eine solche Entscheidung 12 Jährigen „aufzuzwingen“ hätte mich aber auch wirklich kirre gemacht. Tatsächlich besuchen viele der Kinder das Seminar (oder besser: werden von ihren Eltern geschickt) wegen der exzellenten High-School-Ausbildung, die es bietet. Und vielleicht gibt es ja doch die Möglichkeit, dass der Sohnemann Priester wird. Das ist hier nämlich, viel mehr als bei uns, ein angesehener und nicht schlecht bezahlter Beruf.

So, damit sind die HighLights seid unserem letzten Erlebnisbericht erzählt. Lena hat mir versprochen, dass sie noch Bilder hochlädt, also werden die Bilder-Süchtigen unter euch (ja, Viktor, ich spreche mit dir!) auch auf ihre Kosten kommen.

Noch ein kurzes Wort zu meinem Gefühlsstand. Tatsächlich merke auch ich jetzt immer wieder aufkommendes Heimweh und ein leichtes Absacken der Euphorie, die den Anfang gekennzeichnet hat. Ich spüre, wie viel ich doch vermisse (Familie, Freunde, Hobbys und auch einfach so ein bisschen „Deutschland“, also Look & Feel der Heimat). Das gehört natürlich dazu und ich kann momentan noch gut damit umgehen. Ein bisschen Erfahrung mit solchen Gefühlen habe ich ja schon ;-).
Deswegen will ich, wie ich oben geschrieben habe, noch auf keinen Fall weg. Dazu habe ich noch viel zu viel nicht erlebt und auch noch viel zu viel Spaß 🙂 .

Also verabschiede ich mich jetzt mit einem bisschen-bitter-viel-süßen Gefühl von euch, fühlt euch gedrückt, geknuddelt oder freundschaftlich geklappst (heute freie Auswahl),

euer Claas

P.S.: Für alle, die sich nach der Übernahme des Blogs durch Ex-Freiwillige gestern Sorgen machen: Wir haben hier nur ein bisschen Regen abbekommen, der Taifun selbst ist in Zambales geblieben. Wir beten und denken natürlich trotzdem an die Menschen in Zambales, die unter dem Taifun leiden, besonders für die Mitarbeiter von Preda und die Freunde von Sina und Franzi. Ich wünsche ihnen die Kraft und die Ausdauer, diese schwere Zeit zu überstehen.

3 Antworten auf Es neigt sich dem Ende zu…

  1. Philip Schauer

    Nichts für Ungut, aber von Schulkinder auf Schuljugendlich kommst auch nur du. :D. Ich hätte „Schüler“ geschrieben.

    … und für den Weltfrieden (natürlich trotzdem auch für die Taifunbetroffenen.)

    lg Philip

    Ps: Ich schreib dir immermal was auf Skyp. Wiß ja nicht ob es dich interessiert,aber du könntest es dir angucken und mir vielleicht die Kenntnisnahme mitteilen 😉

  2. Norbert Hark

    Dein Bericht klingt supergut. Vielleicht sollte ich auch einmal ein Freiwilligenjahr …

    Das mit dem Priesterseminar solltest Du Dir überlegen. Gibt’s auch bei uns und ist sowas wie eine normale WG. Nur Frauenbesuche sind etwas eingeschränkt. 😉

    Schön von Dir zu hören – mach’s gut und Gottes reichen Segen für Dein Jahr
    Norbert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.