MAKA TAO Für die Menschen auf den Philippinen

Reisen und deutsche Kultur

3 Wochen sind vergangen. Gefüllt mit einem Seminar, vielen inspirierenden Persönlichkeiten, Austausch der meinte Seele speiste, einem wunderschönen Resort, neuen Freundschaften, dem Luxus des Reisens und einer wunderschönen Landschaft. Das Seminar war Woche des Austausches. Deutsche Kultur, ähnliche Probleme, Verständnis, eine verbindende Sprache. Alles war auf einmal wieder viel leichter, man wurde auch eher so gesehen, wie man sich selbst sah, kein Fremder, kein Weißer, kein Reicher. Man war man selbst. Das tat gut. Zudem bat es für mich nochmals die Möglichkeit die Geschehnisse des letzten halben Jahres, besonders auch Pacalat, erneut zu reflektieren und neue Perspektiven zu gewinnen. Zudem ist zu erwähnen, wie komisch deutsch es war. Strikt getaktet, denn man hatte ja einen Plan, der konsequent und pflichtbewusst durchgezogen wird. Da kommt ja schon fast Stress auf. Nicht dass man dies in den Philippinen nicht finden würde, sehr wohl teilweise stärker als in Deutschland denkbar, doch meist liegt das Hauptaugenmerk auf der Beziehung zueinander. Nachdem das Seminar praktisch an uns vorbeigeflogen war, ging es auf Reisen. Den ersten Tag nach Apo Island direkt vor Dumaguete schnorcheln. Korallenriffe, Fischschwärme aller erdenklicher Farben, große Schwärme, kleine Schwärme. Manche so groß, dass man in ihrer Mitte, in welcher die jüngsten umherhuschten, mit schwamm und nichts als Fische sah. Doch sahen wir auch 3 Meeresschildkröten, um ihnen in das tiefe dunkle blau zu folgen, ihre majestätische Ruhe und Eleganz, alleine auf ihrer Reise durch die Ewigkeit. So etwas habe ich noch nie gesehen. Wir nächtigten übrigens im Flying Fish Hostel, welches zufällig von einem deutschen Philippinos gegründet wurde. Mal wieder ein lustiger Zufall. Danach schnell weiter auf Siquijor. Eine wunderschöne günstige Insel, welche sich gut bereisen lässt. Neben Zahlreichen Wasserfällen beherbergt die Insel einen alten Balete Tree. Wie ein Nervenstrang direkt aus dem Herzen der Erde. Als ich so davor saß, musste ich einfach die ersten 10 m hinaufklettern. Eine wirklich einmalige Struktur. Der schönste Baum, den ich bisher erblickt habe. Wir blieben länger als erwartet und die Gruppe wurde zunehmend kleiner. Am letzten Abend gab unser Hostel eine Party, welche auf der Insel wohl jeden Freitag als ein Muss gilt. Als wir beschlossen hatten zu dritt den Dancefloor zu stürmen, vergangen keine 10 Minuten und er war randvoll. Für die letzten Tage weiter nach Cebu, um dann noch mit einer Freundin Camotes Island zu erforschen. Eine Insel, welche vom Tourismus wohl fast komplett verschont blieb und in Santiago Bay eine sehr coole alternative Bar besitzt. Leider entdeckten wir sie 1 Stunde vor unser geplanten Abreise. Den letzten Abend in Cebu versüßte uns noch ein sehr unzufriedener und aufgebrachter Franzose. Dann ging auch schon mein Flieger nach Manila. 2 Wochen vergingen wie im Flug, Freundschaften entstanden und es gibt mehr als eine Person, welche ich jetzt schon vermisse. Ich habe mich in den internationalen Stil des Backpackens verliebt. Immer trifft man neue Menschen aus aller Welt, ob es ein Brasilianer ist oder auch nur jemand aus Düsseldorf. Faszinierend wie viele Deutsche man beim Reisen antrifft. Die Freiheit zu machen wonach einem ist, keinen Regeln folgen zu müssen, welche in meinem aktuellen Alltag omnipräsent sind, und einfach glücklich zu sein, war etwas wunderbares. Obwohl ich in meinem Umfeld im Projekt und Familie sehr gut aufgehoben bin, fühle ich mich dennoch oft alleine. Irgendwie bleibe ich fremd. Es ist ein Gefühl in mir, das ich nicht loswerde, und natürlich liegt es an mir. In Manila beschloss ich noch ein Tag ein Projekt anderer Freiwilliger zu besuchen. Ein anderer Einblick, ein ganz anderes Leben. Angefangen bei dem Zusammenleben als WG bishin zu den großen Diskrepanzen Manilas. Eine Stadt, welche unterschiedlicher nicht sein könnte. Als ich 4 Stunden vom Airport zur Wg lief, war ich tief bewegt. Manila ist eine aufstrebende Stadt mit einem Wirtschaftswachstum von unglaublichen 6,7 % und dennoch kommt das Geld bei den wenigsten an. Ich half im Projekt Carepakete zu machen, da kürzlich über 2000 Wohnungen im Slum Parola abgebrannt sind. Es gilt als eines der größten Slums der Welt. Hier ist nun Hilfe gefordert, über 10.000 Menschen sind aller Dinge beraubt, welche ein Leben überhaupt irgendwie ermöglichten. Wer mit Spenden etwas bewegen möchte, ist nun gefragt. Zur Nacht zeigte mir ein philippinischer Freund das Nachtleben Makatis, dem Reichenviertel. Naja
eine Partykultur, wie man sie sonst aus westlichen Großstädten kennt. Es ist faszinierend wie viele Menschen es schaffen sich scheinbar mit Leichtigkeit selbst verwirklichen, auch in der Kunst, und andere keine einzige Möglichkeit haben der Armut zu entfliehen. Erschreckend, faszinierend, inspirierend, entmutigend. Am nächsten Tag heim und nach einer gefühlt langen Zeit zurück in mein Projekt, in mein altes Umfeld. Noch fühlt es sich komisch an, herausfordernd, monoton, konträr. Zurück in meiner alten, kleinen Welt mit all seinen glücklichen Momenten, liebevollen Kindern und kleinen Problemen, wie Missverständnissen. Doch mit am meisten genieße ich das reiche Essen, nachdem ich auf Reisen kaum zum Essen kam und die 6 Kg, die ich seit meinem neuen Projekt durch das Studio hinzugewonnen hatte, wohl wieder verloren, vergeblich all die Disziplin. Zudem hat sich in meinem Leben einiges getan. Ich lebe nun wieder Single. Für meine Beziehung waren 12 Monate zu lang und die Aussicht nach einer bereits langen Zeit nochmals 6 vor sich liegen zu haben mit der Ungewissheit, wie es ist den Partner wiederzutreffen, wie man sich verändert hat, war zu viel. Letztendlich war es für mich in der asiatischen Kultur ein viel geringeres Problem, als für meine Freundin in Deutschland. Jetzt ist die tägliche Verbindung zu Deutschland gekappt, der Teil welcher mich immer noch in Deutschland gehalten hatte, welcher uns unsere Zukunft ausmalte und darüber nachdachte was wir als erstes machen, falls wir uns wiedersehen. Ich war seit vielen Jahren nicht mehr wirklich Single und bin wirklich gespannt was es mit sich bringt. Ich sehe es als Chance. Zudem würde ich tatsächlich gerne in Berlin studieren. Vor einem halben Jahr wäre es noch mein Horrorszenario gewesen. Nun brauche ich Leben, Kultur, Kunst, Möglichkeit, Kontakt, ein gutes Studium und stelle meine Hobbies hinten an. Nie wäre es mir in den Sinn gekommen. Und ich Landei möchte nun nach Berlin. Mich zieht es in den Strudel von Menschen. Leben neben Leben. Ein endloses Geflecht. Werte können sich abrupt ändern und Wandel kommt für den, der ihn mit offenem Herzen empfängt. Aber erstmal habe ich noch knappe 6 Monate vor mir. Lerne jeden Tag dazu und bin gespannt was mich noch erwartet. Das Leben ist bunt und voller Überraschungen oder nicht?

6 Antworten auf Reisen und deutsche Kultur

  1. Diane Röhl

    Lieber Jonathan!

    Habe wieder Deinen tollen Bericht gelesen; über Land und Leute!
    Das wird ein sehr ereignisreiches Jahr für Dich werden. Du wirst das nie wieder vergessen. Liebe Grüße Diane

  2. Aziza Roosen

    Immer spannend deinen Reisebericht zu lesen. Wünsch dir noch viele aufregende Abenteuer.

  3. Ramey

    Dearest Jonathan!
    I JUST NOW found the time to read your report. I’ve been extremely busy. but today, after a wonderful Sweat, I have time. Thank you! I am delighted to hear/see you have taken a step away from analysing everything, looking for precepts to hold on to and answers to unanswerabe questions. I have the feeling you have fully arrived in your Here and Nowand have begun to LIVE your experience. Beautiful, excellent, fantastic, wonderful and HOT DAMN!
    Be well, and keep in touch,
    Ramey

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  5. Renate Winter

    Hallo, lieber Jonathan, von Kerstin habe ich erfahren, dass Du nach Ostern bei „Preda“ bist. Bestelle Pater Cullen einen lieben Gruß vom Kulmbacher Weltladen. Gerade heute habe ich mir wieder eine Flasche „Mango Fruchtsoße“ geholt. Es ist mein Lieblingsprodukt.

    In einem Vierteljahr bist Du schon fast wieder bei uns, ich freue mich. Viele liebe Grüße, Deine Oma

  6. Caro:)

    heii:)
    ich bin am überlegen auch mit weltwärts auf die philippinen zu gehen und habe auch einen Freund. Habe gelesen, dass du auch in einer Beziehung bist und wollte nun wissen wie es für dich ist? wie schaffst du das so lang von ihr getrennt zu sein?

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