MAKA TAO Für die Menschen auf den Philippinen

Heimat Philippinen

Die Zeit bei PREDA ist schon fast vorüber und mal wieder ging es beinahe zu schnell. So möchte ich euch einmal mehr an meinen Erlebnissen teilhaben lassen, daran was mich bewegt und prägt.

PREDA ist eine Organisation zum Schutz der Menschenrechte und Unterstützung des Fairtradehandels von Pater Shay Cullen. Zu seinen größten Erfolgen gehört der Abbau der letzten Militärstation Amerikas auf den Philippinen und mit diesem der Rückgang des Menschenhandels. Er wurde bereits mehrfach zum Friedensnobelpreis nominiert. Bei weiterem Interesse informiert euch gerne selbstständig auf www.preda.org . In dieser Einrichtung durfte ich dank der Unterstützung des Bistum Limburgs meine letzten 1 ½ Monate verbringen.

Eine Zeit des erneuten Wandels, des Loslassens von Prozessen und Problemen, wie meiner Erfahrungen in Pacalat, welche mich tagtäglich begleiteten, der Annahme des Moments und der Erkenntnis, dass die Philippinen sehr wohl meine Heimat geworden sind.

Als wir zunächst ankamen, war ich von dem Luxus eines eigenen Zimmers, gutem Internet und sehr leckerem Essen schier überfordert. Zumal wir nun im Preda Hauptgebäude mit einigen weiteren Freiwilligen aus Deutschland, Schweden und Japan zusammenlebten. Es war wirklich sehr angenehm nicht mehr der einzige Weiße zu sein. Schnell entstanden viele spannende Gespräche und ein reger Austausch über die Philippinen, wie auch Deutschland.

Besonders zu erwähnen sind Mona und Lea, welche wir bereits auf unserem Zwischenseminar kennenlernen durften und hier bereits über 10 Monate ein IFD absolviert haben. Sie sind bereits letzte Woche wieder heimgeflogen, welches mich selbst zum ersten Mal wirklich damit konfrontierte, dass auch ich nur noch 9 Wochen hier bin. Es fällt mir immer noch schwer zu glauben. Was erwartet mich in Deutschland? Wie ist es mit meinem alten Ich, alten Freunden und altem Alltag konfrontiert zu werden? Die Plätze vergangener Jahre wiederzusehen und all die damit verbundenen die Erlebnisse zu reflektieren. Deutsches Essen, deutsche Ordnung, penible Pünktlichkeit, andere Erwartungen. Wie ist es, wenn alle wissen möchten wie es denn so war und ich weiss, dass es kaum in Worte zu fassen ist, es mich tiefgreifend verändert hat oder eben doch nur ein weiteres Jahr meines Lebenswegesweges war. Vielleicht ist „Gut“ gelegentlich doch ebenso eine treffende Antwort, denn was war, war, was zählt ist Jetzt, eben der Moment, den ich mit meinem Gegenüber teile.

Ich hatte in Preda viel Zeit, um über all die Erlebnisse nachzudenken, was sie mit mir gemacht haben. So hatte ich bereits hier die Möglichkeit Prozesse abzuschließen. Ich habe genug über Pacalat geredet, es ist Zeit es sein zu lassen und die Lehrstunden ohne Wertung in mir zu tragen, um andere besser verstehen zu können, wahrnehmen zu können und zu unterstützen. Um mein Leben zu leben und jeden Moment in seiner Schönheit enthusiastisch zu erleben, zu zelebrieren, und zu genießen. Ich habe Ruhe wiedergefunden und ich fühle mich auf neue Abenteuer, neue Wechsel, neue Herausforderungen in Deutschland wohl gewappnet. Auch wenn allein der Gedanke durch einen deutschen Mischwald zu laufen schwer vorstellbar ist, freue ich mich auf den Kulturschock.

Meine Universitätsbewerbungen sind bereits erledigt und werden mich hoffentlich nach Berlin, Köln oder Konstanz verschlagen. Ich freue mich sehr auf die mentale Herausforderung.

Leander und Ich stellten in den letzten Wochen fest wie viel mehr wir nun die Gemeinsamkeiten dieses Lebens mit dem Leben aus Deutschland sehen, es sieht eben nicht mehr fremd aus, es ist Heimat geworden, teil von dem wer ich bin. Vom Slum bis zur High Society.

Zumal ich immer mehr kreative Menschen kennenlerne oder eben Menschen mit ähnlichen Interessen, Menschen bei denen ich das Gefühl habe mich frei und offen ausleben zu können, Menschen, die mich lieben und verstehen. Freunde. An vielen Orten in den Philippinen gibt es nun Menschen, die sich freuen mich zu sehen und das freut mich noch viel mehr. Ich habe nicht mehr das Gefühl der Fremde zu sein und verstehe mehr und mehr wie Leben hier funktioniert, wie ich mich damit arrangiere, wo ich lerne, wo ich meine Kraft nähren kann. Ich habe lebenswichtige Fähigkeiten dazugewonnen: zu akzeptieren und anzunehmen, Geduld zu haben, mich anzupassen, zu integrieren, auch da, wo ich mich zunächst sehr unwohl und unwillkommen fühle. Ich habe Vertrauen in das gewonnen was passiert und die Kraft das zu ändern, was in meiner Macht steht. Ich bin wieder heim gekommen, heim zu mir, bei mir. Diesmal mehr denn je. Im Fluss des Lebens. Immer weniger habe ich den Drang etwas definieren zu müssen. Ich muss nicht alles erklären können. Es ist, was es ist. Das reicht. Der Versuch genügsam zu sein.

Preda führt zwei Heime. Eins für Jungs, die meistens aufgrund banaler Delikte einmal im Jugendheim gelandet sind, welches in Manila eher einem Knast gerecht wird. Viele davon waren Straßenkinder. Das Andere ist ein Heim für missbrauchte Mädchen. Oft geschehen diese Misshandlungen im familiären Kreis. Aufgrund der eigenen Würde, der Bedeutung der Familie und Aussichtslosigkeit ist allein der Gang zu Polizei eine weitaus größere Herausforderung als in Deutschland ohnehin schon. In beiden Heimen möchte man Kindern versuchen ihre Kindheit zurückzugeben, insofern sie je eine erleben durften, und ihnen das nötige Wissen vermitteln, um eine aussichtsvolle Reintegration möglich zu machen. Die Kinder sind sehr intelligent und haben mich von Anfang an erstaunt. Viele bewundere ich für ihre Stärke. Auch die zuständigen Pädagogen leisten großartige Arbeit und gestalten einen vielfältigen Tagesablauf, sowie Ausflüge. Dies in Verbindung mit den Räumlichkeiten und Motivation macht Preda für mich zu einem absoluten Vorzeigeprojekt.

Zudem gibt es eben auch den Fairtrade-Handel, welcher sich vornehmlich um Mangos dreht. Genau die, welche ihr aus dem EineWelt-Laden kennt. Native Communities werden hier zum Einen durch die deutlich bessere Bezahlung, aber auch durch rechtlichen Beistand aktiv unterstützt. Dies schafft in Verbindung mit Scholarships Möglichkeiten und Sicherheiten an welchen es meist mangelt.

Den hierfür Zuständigen bei Inspektionen aufgrund der verspäteten Mangoernte begleiten zu dürfen, war für mich eine Rückkehr in eine Welt, welche ich mit Pacalat verlassen hatte, und ich konnte es so sehr genießen. Wieder einmal ein T-Shirt um meinen Kopf binden, um mich vor der Sonne zu schützen. Dem wenigen gesagten Worten zu lauschen und zu versuchen, zu verstehen und neues zu lernen. Von neuen Früchten, über Lianen, welche zur Gewinnung von Seife benutzt werden und viele spannende Einblicke in den Umfang dieses Projektes.

Neben all dem durften wir einem Sportfestival beiwohnen, Heimbesuche der Kinder miterleben und neue Kinder aus Manila mit nach Preda nehmen.

Hier haben wir auch den Friedhof Passays besucht. Ein Teil von Manila. Jeder Zentimeter Lebensplatz wird genutzt und so leben ganze Familien in den Gruften und schlafen auf den Särgen der Toten. Was für uns abstrus erscheint, ist hier bei stetigem Platz- und Jobmangel eine logische Schlussfolgerung. Auf der einen Seite ist es erschreckend, auf der anderen eine Verdeutlichung, wie wenig wir zum Leben tatsächlich brauchen. Ständig haben wir in einer Welt des Materialismus das Gefühl zu wenig zu haben, zu wenig Geld, zu wenig Besitz. In einer Welt, welche auf Schulden aufgebaut ist. Immer fokussiere ich mich auf das, was ich noch brauche und nicht auf das, was ich habe. Von materialistischen Gütern bis hin zu Sozialen. Dies sind Dinge, welche mir auch vor diesem Jahr bewusst waren und dennoch ist das erleben dieser, das daran gewöhnen und bei sich tragen, etwas, was weit außerhalb des Gedachten liegt. Wir wissen doch alle was Richtig und Gut wäre und dennoch ist es so einfach an eine Ausrede zu denken, welches mich kurzfristige Entscheidungen zu Gunsten des Einfacheren treffen lässt.

Als wir die Familie eines Kindes im Slum besuchten, fanden wir nach einigem Suchen die Tante des Kindes. Sein junger Vater fehlte und drückte sich vor seiner Verantwortung, sicherlich auch aus verständlichen privaten Gründen. So ist er Tricycle Fahrer und verfügt über ein sehr begrenztes Einkommen. Dennoch fuhr er an uns vorbei als wir zurückliefen. Sein Kind rief „Papaa“, er lächelte und fuhr weiter. Es gab mir zu denken.

Aber mir fiel im Slum auch ein grün angestrichenes Haus mit vielen Pflanzen sofort ins Auge. Neben der grauen Welt wirkte es wie eine lebendige Oase. Es erinnerte mich daran, dass ich es bin, der mit meinen eigenen Möglichkeiten mein eigenes Leben lebendig kreiert. Auch wenn bei Weitem nicht jeder die gleichen Möglichkeiten besitzt, liegt es an mir wie ich sie nutzen möchte oder ob ich mich dem Druck gesellschaftlicher Erwartungen ergeben hingebe und alles als natürlich, als gottgegeben, hinnehme.

So durfte ich während dieser Zeit einige neue Dinge erleben und dazulernen. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte PREDA kennenzulernen. Das Leben ist wunderbar. Manchmal fühlt es sich schwerer an, manchmal leichter.

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