MAKA TAO Für die Menschen auf den Philippinen

Das Ende der Einführungsphase und der neue Beginn

Kaum zu glauben, aber ich bin schon seit über einen Monat auf den Philippinen. Nachdem mein Alltag die letzten zwei Wochen (seitdem ist Magdalena wieder in Deutschland um ihr Studium zu beginnen) aus mehr oder weniger produktiven Tagalog-Stunden, improvisierten Yoga Workouts und aus Büchern & Filmen bestanden hat, freue ich mich, einen etwas geregelteren Tagesablauf auf mich zukommen zu sehen. Dennoch hatte die ganze freie Zeit auch den positiven Effekt, dass es für mich einfacher war mehr über manche auf den ersten Blick für mich eigentümliche Verhaltensweisen nachzudenken und herauszufinden. Da hätten wir zum Beispiel das Phänomen der „ber-months“. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich Anfang September im Supermarkt an der Kasse stand und auf einmal die Songs „Santa Claus is coming to town“ und „Krusty the snowman“ gespielt wurden. Die Erklärung dafür lieferte mir dann auch am Abend der Bischof. Auf den Philippinen würde man schon im September anfangen Weihnachtsmusik zu spielen und man fände auch schon die erste Weihnachtsdekoration. Viele Filipinos würden sich sehr auf dieses Fest freuen und so würde die Vorweihnachtszeit quasi schon in den Monaten anfangen, die auf die Silbe „-ber“ enden. Desweiteren war es für mich am Anfang sehr irritierend als ich mein erstes „Brownout“, also einen Stromausfall, miterlebt habe. Das kommt hier übrigens öfter vor als man denkt. Für meistens nur 5 oder 10 Minuten (kann aber natürlich auch länger dauern) gibt es keinen Strom mehr und damit dann auch kein Licht, keinen Ventilator, kein Wlan, keine Klimaanlage,… Man sollte meinen, dass einem das im Allgemeinen gar nicht so sehr auffallen würde, aber meine erste Begegnung damit war während einer Messe. Das heißt, dass auf einmal weder die Lautsprecher und Mikros, noch die Bildschirme, auf denen zum Beispiel Liedtexte und Ähnliches angezeigt werden (hier sind die philippinischen Kirchen teilweise auf einem neueren technischen Stand als deutsche Kirchen), noch das Licht oder geschweige denn die Ventilatoren funktioniert haben. Auf einmal wurde es also mitten in der Lesung dunkel… Die typisch deutsche Reaktion wäre wohl ein leichtes oder großes Aufkommen von Unruhe und Panik gewesen, zumindest wäre an eine Fortsetzung des Gottesdienstes wohl eher nicht zu denken. Doch genau das passiert in so einem Fall hier. Auch wenn man dann vielleicht nicht den Text überall in der Kirche versteht, mit philippinischer Gelassenheit wird der Gottesdienst normal weitergeführt. Oder in anderen Situation wird dann eben geduldig abgewartet, man hat ja Zeit… Davon können sich wohl einige Deutsche eine Scheibe abschneiden. Auch ich muss mich in manchen Situationen an meiner Geduld und Gelassenheit üben. So zum Beispiel auch bei der Beantragung des „Missionary Visas“, das dann für ein Jahr gelten soll und in Manila beantragt wird. Nach meinem dritten Besuch im Immigration Office und etlichen Stunden Wartezeit wird mein Antrag nun endlich bearbeitet. Der Weg dahin war etwas umständlicher als erwartet, da man auf der Homepage des Immigration Offices noch nicht das aktuelle Formular hochgeladen hatte (ob es jetzt hochgeladen ist bezweifle ich, aber wer weiß) und wir dann samt neuen Formular zurück nach Alaminos mussten, um dieses vom Bischof unterschreiben zu lassen. Nichtsdestotrotz ist es jetzt geschafft und gestern war mein erster Arbeitstag in der SPED-class in Mabini. Die Kinder sind sehr liebenswert und es macht Spaß sich mit ihnen zu beschäftigen. Die Klasse besteht aus ca. 15 Kindern mit unterschiedlichen Behinderungen, wie z.B. zwei taubstummen Jungs, authistisch veranlagten Kindern, einem körperlich beeinträchtigten Jungen und Kindern mit geistiger Behinderung. Das macht es natürlich für die zwei Lehrer Lauris und Joseph nicht unbedingt einfach jeden richtig zu fördern, doch sie geben ihr Bestes und ich hoffe ihnen dabei unter die Arme greifen zu können. Ansonsten wird den Kindern rechnen, lesen, schreiben und malen/basteln beigebracht oder auch einfach hilfreiche Verhaltensweisen in bestimmten Situationen. Die Kinder, die gut lernen können besuchen teilweise auch den normalen Unterricht der anderen Klassen. Der Schultag beginnt morgens um viertel vor acht mit dem Singen der Nationalhymne und dem Hissen der philippinischen Flagge, danach geht jede Klasse in ihren Klassenraum und der Unterricht beginnt. Um ca. 9 Uhr ist „Merienda-Zeit“, d.h. es werden sich kleine Snacks gekauft oder Mitgebrachtes gegessen, vergleichbar mit einer Pause. Um 12 Uhr wird dann gemeinsam mit den Kindern zu Mittag gegessen, natürlich Reis mit einer Beilage wie Fleisch, Fisch oder Gemüse. Für die meisten Kinder geht der Unterricht dann bis 4 Uhr am Nachmittag weiter und dann heißt es ab nach Hause.

Auch am Ende dieses Blogeintrags möchte ich gerne einige Momente der letzten Wochen mit euch teilen:

4 Antworten auf Das Ende der Einführungsphase und der neue Beginn

  1. Michael Schwertel

    Sehr schön. Weiter so…

  2. Christine Eickenboom

    Hallo Janina,

    dein Bericht klingt sehr aufregend und ich bin direkt ein bisschen neidisch auf deine tollen Erfahrungen. Bei einigen Sachen können wir hier mithalten, so gibt es z.B. bei Aldi auch schon Weihnachtsartikel, wenn auch keine Musikbegleitung ;-). Ich finde es nach wie vor ganz toll, dass du dich dieser Aufgabe stellst, und es ist schön zu sehen, dass du auf den Bildern so fröhlich aussiehst. Ich hoffe, das bist du auch, wünsche dir weiterhin viel Freude und Gelassenheit und bin gespannt auf weitere Nachrichten!

    Liebe Grüße
    Christine Eickenboom

    • Janina Schwertel

      Vielen Dank für die guten Wünsche 🙂
      Ich hoffe dir und deine Familie geht es gut und ihr habt eine schöne Weihnachtszeit…
      Alles Liebe
      Janina

  3. wolfram Richter

    hallo janina,
    heute war der chor bei einer sangeskollegin zum geburtstag eingeladen. dort haben wir dann auch deine mutter getroffen. sie hat uns viel von deinen abenteuern erzählt u.a.a. auch von den reisen nach manila.
    vielen dank für deine schnelle antwort heute.
    wir müssen dann mal schauen, wann und wo wir uns treffen.
    mach´s gut!
    wolfram und vicky

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