MAKA TAO Für die Menschen auf den Philippinen

Das Leben in einer bzw. meiner Gastfamilie

Seit Mitte Oktober wohne ich in einer Gastfamilie in Mabini und fühle mich hier sehr wohl. Zugegebener Maßen stand ich der ganzen Sache am Anfang, bevor nach längerem Suchen eine Gastfamilie gefunden wurde, etwas skeptisch gegenüber. Ich war mir sehr unsicher wie es ist, in das Leben einer fremden Familie sozusagen einzudringen. Wie werde ich aufgenommen und störe ich nicht vielleicht oder falle im Allgemeinen zur Last? Diese Gedanken konnte ich aber für mich relativ schnell bei Seite legen. Ich wurde nicht nur sehr herzlich empfangen, sondern auch bestmöglich in die Familie integriert. Natürlich merkt man am Anfang noch seine Rolle als Gast und muss seine Hilfe im Haushalt etwas aufdrängen, aber nachdem akzeptiert wurde, dass man helfen möchte, ist diese Hilfe auch gerne gesehen. Außerdem stellt die Sprache natürlich auch kleine Barrieren auf, die es gilt zu durchbrechen. Doch nach einer Zeit entwickelt sich ein gewisser gemeinsamer Alltag und man lernt sich besser kennen.

Ich wohne in einem Haus mit meiner Gastmutter Cathy (38), ihrer Tochter Shekainah (11) und ihren beiden Nichten CJ (21) und Anne (23). Ach und natürlich den vier Hunden Beauty, Fray, Mio und Fortune. Wie man merkt also: ein Haushalt geballter Frauenpower – Kein Wunder also, dass ich mich sofort heimisch gefühlt habe.

Um noch ein bisschen mehr Background-Wissen über meine Gastfamilie zu geben, Cathy ist die Jüngste von vier Kindern. Ihre zwei älteren Schwestern arbeiten abroad, d.h. Eine in London und Eine in Tokio und unterstützen mit ihrem Einkommen, dass im Ausland vergleichsweise viel höher ist als es in den Philippinen wäre, die Familie. Solche Arbeitsverhältnisse nehmen relativ viele Filipinos auf sich um ihren Familien ein gutes Leben zu ermöglichen. Früher hatte die Familie zwei gutlaufende Farmen, die ökologisch angebautes Gemüse und Hühner verkauft haben, welche aber durch den Taifun 2015 fast vollständig verwüstet wurden. Jetzt bauen sie nur noch Reis und Gemüse für den Eigengebrauch an und die Eltern von Cathy wohnen auf einer der Farmen. Außerdem halten sie für sich Kühe, ein paar Hühner und Ziegen. An besonderen Anlässen, wie zum Beispiel Cathys Geburtstag letzte Woche, wird dann auch schon mal eine Ziege geschlachtet. Ein Luxus und auch eine ziemlich große Sache für sie, für mich allerdings eher eine gewöhnungsbedürftige Tradition. Cathys Bruder Edward lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in einem Nachbarhaus.

Im Haus selbst habe ich ein sehr komfortables Zimmer für mich alleine mit einem riesigen Bett. Außerdem hat die Familie eine eigene Karaoke-Maschine, was viel Spaß, aber auch viele schiefe Töne garantiert. Die interessieren aber zum Glück keinen und wirklich JEDER muss mit singen. Das Haus an sich ist für philippinische Verhältnisse relativ groß und man merkt, dass die Familie eher der gut situierten Schicht angehört. Jeden Sonntag trifft hier außerdem die aktive Jugend von Mabini zusammen, da Cathy sozusagen die Organisatorin bzw. Verantwortliche dafür ist und es wird gemeinsamen gegessen und sich unterhalten.

Ich werde voraussichtlich bis Januar in dieser Gastfamilie bleiben können und muss werde dann wahrscheinlich wechseln. Das liegt daran, dass im Januar Cathys Schwestern für einen Zeitraum von einigen Wochen zu Besuch kommen und der Platz benötigt wird. Nichtsdestotrotz genieße ich bis dahin das gemeinsame Leben in dieser Familie und kann schon jetzt kaum das Weihnachtsfest abwarten. Ich bin sehr gespannt wie die Feiertage hier so ablaufen. Diese Spannung mag vielleicht auch daran liegen, dass im Wohnzimmer seit mehr als zwei Wochen der komplett geschmückte Weihnachtsbaum steht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.