Betreuung von behinderten Kindern im Kinderheim
ALAMINOS/WEHRHEIM (von Zacharias Steinmetz). Die Zeit vergeht. Mittlerweile arbeite ich nun schon seit mehr als einem Monat im Waisenhaus der “Missionarinnen der Nächstenliebe” in Dagupan. Alltag ist eingekehrt. Im Vergleich zu meinem ersten Tag fühle ich mich zunehmend in das Team der Erzieherinnen integriert. Ich habe meine eigenen festen Aufgaben. Tagtäglich wische ich Tische und Boden, helfe beim Essen, füttere die Kleinsten und spiele mit ihnen. Meine anfänglichen Versuche, den Kindern Zahlen, Alphabet und Uhr lesen beizubringen wurden kürzlich von einer professionellen Vorschullehrkraft übernommen. Ich assistiere ihr, so gut es geht.
Nach und nach führen mich die Erzieherinnen in immer mehr Teilbereiche ein. So habe ich mittlerweile nicht mehr nur mit den Jungen und Mädchen im Kindergarten- und Vorschulalter zu tun. Immer wieder kümmere ich mich um die sogenannten “special children”, die behinderten Kinder. Diejenigen mit leichter geistiger oder körperlicher Behinderung spielen mit den anderen Kindern. Im Schlafsaal liegen die mittel- bis schweren Fälle. Viele können nicht alleine essen und bekommen trotz ihres Alters noch immer Brei gefüttert. Die anderen scheinen wie durch einen Bann an ihre Betten gefesselt zu sein. Wie Tiger in einem viel zu kleinen Käfig laufen sie von einem Bettende zumanderen. Einer von ihnen hat einen Wasserkopf. Sein Wortschatz umfasst fünf Wörter, darunter den philippinischen Ausdruck für Essen und Wasser, die Worte für “Iss jetzt!” und seinen Namen. Immer wieder stellt er sich auf und schwingt seine Hüften in gleichmäßigen rhythmischen Bewegungen zu einer unhörbaren Melodie.
Auch bei den anderen Kindern der Station sind ausgeprägte Anzeichen von Hospitalismus zu erkennen. Ein blinder Junge wälzt sich in seinem Bett ununterbrochen von einer Seite auf die andere. Gehe ich an ihm vorbei, unterbricht er seine Trance, zieht sich am Gitterbett hoch und versucht sich mit weit ausgestreckten Armen zu mir vorzubeugen um mich zu erreichen. Die übrigen Kinder sind so schwer behindert, dass sie sich kaum mehr bewegen können. Ihre Beinchen sind dünn, die Gelenke steif. Wer weiß, was in ihren Köpfen vorgeht. Ich füttere sie nur. Ihre schlecht ausgebildete Mundmotorik schiebt das Essen mehr aus dem Mund heraus als hinein. Trinken ist beinahe unmöglich. Ich brauche eine Stunde. Es ist anstrengend, für mich und für das Kind. Ich muss all meine Geduld zusammennehmen. Ich würde gerne mehr machen, um das Leben der Kinder im Waisenhaus lebenswerter zu gestalten. Angesichts meiner beträchtlichen Unerfahrenheit im richtigen Umgang mit Behinderten bin ich damit jetzt noch ziemlich überfordert.
Erst kürzlich habe ich gelernt Stoffwindeln zu falten und zu wechseln. Ab jetzt werde ich auch vermehrt in der Babystation zum Einsatz kommen. Die Babys dort sind wirklich niedlich. Sie lassen mich auf andere Gedanken kommen. Ein wahrer Lichtblick!
Neben meinen Tätigkeiten im Waisenhaus gebe ich nachmittags zudem Nachhilfe in Mathematik und Englisch an der Grundschule in meinem Wohnort Salasa und helfe zusätzlich in der Kirchengemeinde.
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Der Wehrheimer Zivildienstleistende Zacharias Steinmetz berichtet in unregelmäßigen Abständen für den Usinger Anzeiger von seiner Arbeit und seinen Erlebnissen in der philippinischen Provinz.
www.maka-tao.de
erschienen am 4. Dezember 2009 im Usinger Anzeiger