Für den Wehrheimer haben die letzten drei Monate auf den Philippinen begonnen
WEHRHEIM/ALAMINOS (von Zacharias Steinmetz). Ganze sechs Monate nannte ich das beschauliche Barangay Salasa nahe der Provinzhauptstadt Dagupan mein Zuhause. Doch nun heißt es Abschied nehmen von der kleinen, aber stolzen Pfarrei mit ihren doch etwas eigenwilligen Bewohnern.
So treffe ich also für meine letzten drei Monate in meiner neuen Einsatzpfarrei, der Hafenstadt Bolinao im Norden des Bistums Alaminos, ein. Eindrucksvoll hebt sich die 400 Jahre alte Kirche im Dämmerlicht von den umliegenden Gebäuden der Kleinstadt ab. Im Pfarrhaus nebenan herrscht trotz der späten Stunde noch geschäftiges Treiben. Man scheint mich bereits erwartet zu haben. Warmherzig heißen mich die vielen noch unbekannten Gesichter willkommen. Ich fühle mich sofort wohl.
In den darauffolgenden Tagen begleite ich den Pfarrer Jeremy bei seiner Arbeit. Ein erster Eindruck von meiner neuen Einsatzstelle entsteht. Schnell offenbaren sich mir die krassen Gegensätze der Küstenstadt. Während weiße Traumstrände, Wasserfälle und Höhlen den Alltag vergessen lassen, wird einem am Hafen die bittere Realität des Lebens bewusst. Auf Pfählen, noch halb an Land, schon halb übers Wasser gebaut, reiht sich dort eine Wellblechhütte an die nächste. Auch in der Provinz gibt es Slums.
In einer besonders ärmlich aussehenden, nur von ein paar Blech- und Holzresten zusammengehaltenen Einraumhütte wohnt eine alleinerziehende Mutter mit ihren fünf Kindern. Während die Kleinen im Dreck spielen, schaut die älteste Tochter ihnen verträumt dabei zu. 16 Jahre alt soll sie sein, doch sie sieht aus wie zehn. Auch bei ihren jüngeren Geschwistern sind die Folgen der Unterernährung deutlich zu erkennen.
Früher ging es ihnen besser, erzählt das Mädchen. Ihr Vater fuhr raus auf die See. Sie lebten vom Fischfang und von Tagelöhnerarbeiten. Es war nicht viel, aber es reichte zum Leben. Dann kam Emong, der schlimme Taifun im Mai 2009. Er hat ihnen das wenige genommen, was sie hatten: das Haus, den Vater, ein Einkommen. Sie gingen zum Betteln auf die Straße. Etwas anderes blieb ihnen nicht. Doch sie hatten Glück. Father Jeremy nahm sich ihrer an. Nun erhalten sei regelmäßige Unterstützung durch die Pfarrei. Bald sollen sie ein neues Haus bekommen.
Die Bewohner einer der Küste vorgelagerten Insel teilen ein ähnliches Schicksal. Auch hier leben die Menschen vom Fischfang. Weil es in Küstennähe kaum noch etwas zu holen gibt, fahren die Fischer mit ihren kleinen Auslegerbooten viel zu weit raus aufs offene Meer. Nicht alle kommen zurück. Es gibt viele Witwen. Wer nicht fischt, fährt zum Trinkwasserholen aufs Festland. Denn auf der kleinen Insel sind die Brunnen salzig. Unter der Leitung eines schweizerischen Entwicklungshelfers wurde dort deshalb vor einigen Monaten mit den Bauarbeiten für eine Zisterne begonnen. Mit dem so gesammelten Regenwasser soll zukünftig der gesamte Trinkwasserbedarf der Inselbevölkerung gedeckt werden. Nach der Abreise des Schweizers werde nun ich das Projekt zusammen mit dem hiesigen Priester bis zur Fertigstellung begleiten.
Darüber hinaus arbeite ich von nun an regelmäßig in einem von französischen Ordensschwestern geleiteten Altenheim unweit der Stadt. Zusätzlich begleite ich einen Ehrenamtlichen der Pfarrei allwöchentlich bei einem Ernährungsprogramm für Kinder in den Barangays und unterstütze die Sekretärinnen des Pfarrbüros bei der täglichen Büroarbeit.
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Der Wehrheimer Zivildienstleistende Zacharias Steinmetz berichtet in unregelmäßigen Abständen von seiner Arbeit in der philippinischen Provinz.
www.maka-tao.de
erschienen am 9. Juni 2010 im Usinger Anzeiger