Der Wehrheimer Zacharias Steinmetz beendet in Kürze seinen einjährigen Aufenthalt auf den Philippinen
WEHRHEIM/ALAMINOS (von Zacharias Steinmetz). Meine letzten Wochen auf den Philippinen haben begonnen. Ein letztes Mal besuche ich das Altenheim der Little Sisters of the Poor, sehe die Kinder im Feeding Program und arbeite im Pfarrbüro mit. Die Farewell-Partys beginnen. Hier und dort, in Salasa, Bolinao und Alaminos verabschiede ich mich von all den Menschen, die mich während dieses Jahres begleitet und unterstützt haben. Wann ich sie je wiedersehen werde, bleibt ungewiss. Die Vorstellung, es könnte ein Abschied für immer sein, schmerzt.
Nach einem letzten Abschlussurlaub geht es auch schon zurück in die Heimat. Ein Lebensabschnitt geht damit zu Ende, doch ein neuer beginnt. Die Erinnerungen bleiben.
So schaue ich zurück auf eine aufregende Zeit voller interessanter Erfahrungen und bewegender Eindrücke, aber auch auf eine Zeit der Herausforderungen, eine Zeit der Zweifel. Gerade am Anfang meines Freiwilligendienstes war ich mir nicht immer sicher, ob ich es wirklich schaffen kann, zwölf lange Monate, in einem fremden Land, in einer völlig anderen Umgebung zu leben. Doch schnell lebte ich mich ein, lernte Land und Leute kennen. Mit der Zeit habe ich so die Menschen hier mit all ihren liebenswürdigen Eigenheiten, ihrer Gastfreundlichkeit, ihrer Offenheit und einer Lebensfreunde, die alles Schlechte vergessen lässt, wirklich in mein Herz geschlossen. Auch trotz der philippinischen Mentalität alles lieber etwas langsamer angehen zu lassen, hatte ich berufsmäßig immer etwas zu tun: im Waisenhaus, in der Grundschule, bei der Hilfsorganisation PREDA, im Altenheim, beim Feeding Program und in der Pfarrei.
Das jüngste Projekt, das ich noch vor Ort mitbekommen habe, war eine Wiederaufforstungskampagne, die das Bistum Limburg in diesem Jahr in eine der philippinischen Partnerdiözese Alaminos unterstützt hat. Neue Bäume auf den Philippinen sollen so zukünftig den Ausstoß schädlicher Treibhausgase durch Flüge und Autofahrten von Bistumsangestellten auffangen und die CO2-Bilanz des Bistums Limburg neutralisieren.
Die Pfarrei Bolinao macht bei diesem Projekt den Anfang. Anfang des Monats erreichten rund 1.500 Mahagoni-Setzlinge im Wert von umgerechnet etwa 300 Euro die kleine Kirchengemeinde im Norden des Bistums. Bis zum 25. Juli, dem Tag des 401-jährigen Jubiläums der Pfarrei, sollen die Jungbäume nun nach und nach kostenlos an engagierte Gemeindemitglieder verteilt werden.
Nach der Sonntagsmesse bilden sich bisweilen lange Schlangen im Pfarrgarten. Alle wollen sich eines der begehrten Bäumchen sichern. Jeder Pate muss sich dafür in ein besonderes Logbuch eintragen, sodass das Wachstum der Pflanzen in den kommenden Jahren von den hiesigen Ordensschwestern mitverfolgt und dokumentiert werden kann. Mit großer Begeisterung nehmen die Leute ihren Schössling in Empfang. Die Freude über das grüne Glück scheint allgegenwärtig. Schneller als gedacht; lichten sich so die Reihen der Setzlinge. Am Ende sind nur noch an die 500 Jungbäume übrig.
Die verbleibenden Setzlinge werden auf die nahegelegene Insel Santiago verschifft. Ein Lastwagen bringt die Bäume zum Hafen, wo sie auf einen kleinen Frachter umgeladen werden. Auf der Insel angekommen, verladen sie freiwillige Helfer dann auf Tricycles. Autos fahren auf der Insel nur wenige. Nach drei Stunden erreichen die Setzlinge endlich die kleine Inselpfarrei. Die Messe ist zu dieser Zeit bereits vorbei. Nächste Woche werden die kleinen Mahagoni-Bäumchen dann hoffentlich auch hier einen fürsorglichen Paten finden.
In naher Zukunft sollen Fruchtbäume wie Mangos und Cashew folgen. Gerade diese haben nämlich ganz besonders unter den schweren Schäden durch Taifun Emong im vergangenen Jahr gelitten. Mit solchen Bäumen wäre dann nicht nur etwas Gutes für die Umwelt getan, sondern auch den Menschen vor Ort geholfen, denen der Obstanbau als Einkommensquelle dient.
So ging das eine, anfangs so lange Jahr, letztendlich doch unheimlich schnell vorbei.
Ich werde die Philippinen vermissen. Und dennoch, ich freue mich auf Deutschland!
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Der Wehrheimer Zivildienstleistende Zacharias Steinmetz hat in unregelmäßigen Abständen über seine Arbeit in der philippinischen Provinz berichtet. Dies war sein letzter Bericht.
www.maka-tao.de
erschienen am 16. Juli 2010 im Usinger Anzeiger