MAKA TAO Für die Menschen auf den Philippinen

Lady’s Drinks für Hinweise auf Kinderprostitution

Zacharias Steinmetz arbeitet derzeit in Olongapo als Praktikant der PREDA-Stiftung

OLONGAPO (von Zacharias Steinmetz). Wir durchstreifen die Clubszene, setzen uns in eine der unzähligen Sexbars und bestellen ein Bier. Unverzüglich gesellt sich eine Handvoll Hostessen an unseren Tisch. Sie erwarten einen sogenannten Lady`s Drink spendiert zu bekommen. Mit diesem sehr teuren, alkoholfreien Cocktail erkauft man sich gewissermaßen ihre Gesellschaft für den Abend. Unser Teamleader nimmt das Angebot an und versucht durch die Dame an Informationen über die Angestellten zu kommen…

In der Mitte des Raumes tanzt eine Gruppe viel zu junger Mädchen leicht bekleidet auf einer erhöhten Tanzfläche. Allesamt steht ihnen ein gezwungener Ausdruck ins Gesicht geschrieben. Auffällig unattraktive, meist ausländische Männer sitzen auf Barhockern um sie herum und begaffen sie lüstern. Für umgerechnet gerade mal 20 Euro kann man sich hier ein Mädchen aussuchen und mit ihr auf eines der zahlreichen Zimmer gehen. Ich fühle mich nicht wohl bei dem Gedanken und bin heilfroh, als wir den Nachtclub nach zwei Bier wieder verlassen. Minderjährige finden wir keine in dieser Nacht.

Ich hatte einen von PREDA durchgeführten Barvisit in Olongapos Rotlichtbezirk begleitet. Ziel unseres nächtlichen Ausfluges war es, Hinweisen auf Kinderprostitution nachzugehen und im Ernstfall weitere Schritte in Zusammenarbeit mit den Behörden zu unternehmen.

“Menschen helfen, sich selbst zu helfen”, das ist das Motto der in Olongapo ansässigen PREDA-Stiftung, in der ich Anfang Februar ein einmonatiges Praktikum mache. Die Nicht-Regierungs-Organisation wurde 1974 vom irischen Columbaner-Pater Shay Cullen gegründet und setzt sich seitdem wegweisend für die Rechte der Menschen auf den Philippinen ein. Zwei Mal wurde ihr Gründer bereits für den Friedensnobelpreis nominiert. In verschiedenen Departments arbeiten über 50 Mitarbeiter an Projekten zur Rettung und Rehabilitierung von missbrauchten Mädchen, jungen Frauen und Gefängniskindern.

In diesem Zusammenhang bietet PREDA ein umfangreiches Bildungsangebot für Schulklassen, Eltern und Behörden an und macht Lobbyarbeit. Es gibt ein Scholarship- und Feeding-Program. Zur Unterstützung der indigenen Bevölkerung setzt sich PREDA außerdem für die Erhaltung und Rückgewinnung ureigener Ländereien ein, hilft beim Häuserbau und forciert den Fairen Handel.

In den ersten zwei Wochen meines Praktikums besteht meine Aufgabe darin, erste Einblicke in die Arbeit der Hilfsorganisation zu gewinnen. Mein besonderer Fokus liegt dabei auf der Arbeit mit minderjährigen Straftätern aus den Gefängnissen und Arrestzellen der Metropole Manila. Immer wieder passiert es nämlich, dass Kinder und Jugendliche dort illegal festgehalten werden. Ich begleite das Team bei einer seiner regelmäßig durchgeführten Kontrollen der Haftanstalten. Die dortigen Zustände sind besorgniserregend. An die 40 Jugendliche, Frauen und Männer teilen sich eine Zelle. Einfache Verdächtige und Kleinkriminelle lungern neben Schwerverbrechern auf ihren dünnen Matratzen. Es gibt nur eine einzige verdreckte Toilette. Verwandte besuchen die Inhaftierten und bringen Essen. In all dem Chaos finden wir drei Minderjährige. Sozialarbeiter nehmen ihren Fall auf. Nach vielem Hin und Her und noch mehr Papierkram gelingt es uns, einen der Jungen mitzunehmen. Er ist schüchtern und redet kaum. So richtig weiß er noch nicht, wie ihm geschieht. Erst als er sich auf dem Heimweg bei McDonald´s seit Langem mal wieder richtig satt essen kann, taut er langsam auf.

In den kommenden Tagen lebt sich der Junge bei PREDA ein. Bald folgen Anhörungen bei der Staatsanwaltschaft. Er ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Ich bin geschockt. So ein netter Junge! Wie konnte es nur so weit kommen? Ich lese seine Fallakte. Sie gibt nur eine vage Antwort. Erst die Hausbesuche bei den Familien unserer Neuankömmlinge zeichnen ein genaueres Bild von ihrem sozialen Background. Sie alle teilen ähnliche Schicksale, tragen eine ähnlich kriminelle Vergangenheit mit sich herum, haben eine ähnlich bewegte Geschichte.

An den Wochenenden begleite ich die Jungs bei ihren Ausflügen. Mit der Zeit komme ich näher mit ihnen in Kontakt. Es macht unheimlich viel Spaß Zeit mit ihnen zu verbringen.

In der zweiten Hälfte meiner Zeit als Praktikant bei PREDA arbeite ich mit in der Abteilung Fair Trade. Meine Hauptaufgabe besteht darin, Fotos von neuen fair gehandelten Waren für den diesjährigen Sommerkatalog zu schießen und ansprechend zu präsentieren. Des Weiteren begleite ich Außeneinsätze, wie etwa Hilfsgüterlieferungen in die Zeltstädte und provisorischen Notunterkünfte der von Taifunen und Überschwemmungen noch immer stark verwüsteten Krisengebiete. Es leidet vor allem die indigene Bevölkerung. In den Bergen soll nun ein neues Dorf für die Einheimischen entstehen, in dem sie ganz nach alter Tradition wieder von Viehzucht und Landwirtschaft leben können.

________________________________

Der Wehrheimer Zivildienstleistende Zacharias Steinmetz berichtet in unregelmäßigen Abständen von seiner Arbeit in der philippinischen Provinz.

www.preda.org
www.maka-tao.de

erschienen am 29. März 2010 im Usinger Anzeiger