MAKA TAO Für die Menschen auf den Philippinen

Bei „Schwestern der Armen“ reiche Erfahrungen gesammelt

Der Neu-Anspacher Dominic Wachter berichtet von seinem Dienst auf den Philippinen

ALAMINOS/NEU-ANSPACH (von Dominic Wachter). Ich lebe nun seit etwa drei Wochen auf der größten Insel der „Hundred Islands”, nämlich auf Anda, die der Region von Bolinao vorgelagert ist. Die Insel besteht aus 18 kleinen Dörfern mit einer kleinen Kirche als Mittelpunkt.

Ich lebe in der Hauptregion „Poblácion” in einem großen, neuen Haus mit meiner ersten Gastfamilie zusammen. Es ist sozusagen ein „Drei-Generationen-Haus”, wie man das jetzt in Deutschland so gerne einführen würde, anstatt die Großeltern in Altersheime zu verbannen. Ich kann den Nutzen und die Funktionalität dieses Wohnprinzips nur bestätigen, denn die Kinder, jetzt auch ich, genießen die Geschichten und Weisheiten der alten Frau ungemein, besonders ihre Witze sind auf ihre Art sehr bissig und für ihr hohes Alter sehr zeitgemäß.
Mein Gastvater, „Tatay Manny“, ist ein Seemann und gehört damit auf den Philippinen zu der besser verdienenden Schicht und das erklärt auch das zwar innen noch nicht ganz fertige, aber sehr große und schöne Haus für seine Familie.
Ich habe zwei Hauptaufgaben. In meiner ersten Aufgabe bin ich Sportlehrer und Schachclubleiter der örtlichen High-School. Zweitens liegt relativ nah zu meiner neuen Heimat hinter der neuen Brücke das Festland und dort präsentiert sich das nagelneue und imposante Gebäude der „Litte Sisters of the Poor“ auf einem großen, herausragenden Hügel. Dieses Gebäude umfasst einen großen Trakt, der auf zwei Fluren als Alterswohnheim genutzt wird und einen weiteren Trakt, der das Noviziat der Schwestern enthält. Im ersteren Trakt befindet sich mein Arbeitsplatz, denn meine Aufgabe ist es, mich drei bis mehrmals die, Woche um die Bewohner zu kümmern und den Krankenschwestern und Nonnen bei der Arbeit zur Hand zu gehen. Meine bisherigen Aufgaben dort waren sehr vielfältig, wie etwa morgens die Rolli-Bewohner in die Kirche zu fahren, Krankengymnastik im Physio-Raum, Musikgestaltung, Band- und Chorproben, Bastel- und Stickarbeiten, Essensausgabe und Spülen, aber das Wichtigste ist natürlich der persönliche Umgang und Dialog mit den Bewohnern. Diese Gespräche bei den Bastelarbeiten genieße ich immer sehr, auch wenn manchmal die Kommunikation aufgrund meiner schlechten Tagalog- und ihrer schlechten Englisch-Kenntnisse schwer fällt. denn ich konnte in den wenigen Tagen bis jetzt von diesen Menschen so viel lernen, allein vom Beobachten, Kommunizieren und Arbeiten mit ihnen.
Zu dem Alterswohnheim gibt es natürlich noch mehr zu sagen, denn es ist ein besonderes, von denen es nur wenige auf Gottes Erde gibt. Es wird geleitet von den sogenannten „Litte Sisters of the Poor“, die vor einigen Jahrhunderten in Frankreich von einer Nonne gegründet und vom Papst als Schwesternorden bestätigt wurden. Diese Schwestern haben durch großzügige Spenden und Sammlungen dieses riesige, gut ausgerüstete und hygienisch einwandfreie „Home for the Elderly“ bauen können. Nun wird es durch sie, einige Krankenschwestern und ein paar Physiotherapeutinnen betreut und das meiner Meinung nach sehr liebevoll und gleichzeitig fordernd und fördernd in Bezug auf den Tagesablauf. Es gibt momentan etwa 43 Bewohner, davon sind etwa 30 nicht bettlägerig und können den normalen Tagesablauf mit den Schwestern und mir genießen.
Einer meiner besten Freunde aus diesem Wohnheim, „Lolo” (Großvater) Ramon Estrada, kommt etwa nicht einmal aus dem Einzugsgebiet, wurde aber aufgrund seiner persönlichen Lage trotzdem akzeptiert und lebt jetzt seit etwa zweieinhalb Jahren in dem Wohnheim. Er ist ein typisches Beispiel für die schlechte Arbeitslage auf den Philippinen. Er studierte mehrere Kurse in der Universität, um danach keine Arbeit zu finden und sich über 40 Jahre lang mit Kurzzeit- und Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. Aber ohne Kinder und Enkel hat er keine soziale Absicherung im Alter und darum lebt er jetzt bei den Schwestern.
Auch wenn viele Leute sich über unsere „schlechten“ Systeme in Deutschland ärgern, sollten sie trotzdem froh sein über dieses System, denn es ermöglicht ihnen im Vergleich zu manchen alten Menschen hier ein Leben wie Gott in Frankreich.

Bitte besuchen Sie doch bei näherem Interesse und Lust auf Bilder meine Homepage www.maka-tao.de.

erschienen am 29. September 2011 im Usinger Anzeiger