MAKA TAO Für die Menschen auf den Philippinen

Zwölf Monate in einer anderen Welt anderen Menschen helfen

Dominic Wachter aus Anspach absolviert ein freiwilliges soziales Jahr auf den Philippinen

NEU-ANSPACH (von Ricarda Meiners). Für viele sind die Philippinen ein Urlaubsziel, für Dominic Wachter eine Arbeit und Herzensangelegenheit. Der Anspacher fliegt bald auf die philippinische Insel Luzon. Dort tritt er einen sogenannten „Internationalen freiwilligen Dienst“ (IFD) an, der zwölf Monate andauern wird. Los geht es am 28 Juli. Die Idee dazu reifte aber schon seit ungefähr einem Jahr heran, als er sich fragte, was er denn nun nach dem Abi könne.

Für den 19-Jährigen, der in seiner Freizeit gerne Sport treibt und sich mit Freunden trifft, kam ein Studium noch nicht infrage. Ein Zivildienst in Deutschland versprach zu wenig Spannung und Herausforderungen – also wollte er raus in die Welt.

Erfahrungen im Ausland konnte Dominic schon mit Schüleraustauschen in Frankreich und in den USA sammeln. Sein neues Beschäftigungsfeld dürfte damit aber kaum vergleichbar sein. Auf die Idee mit den Philippinen kam er durch die Berichte von Zacharias Steinmetz, der 2009/2010 schon einmal dort war, und seine Erlebnisse im Usinger Anzeiger veröffentlicht hatte. Außerdem holt er sich Tipps von den Besuchern eines philippinischen Gottesdienstes in Frankfurt, die ihm viel über das Leben auf den Philippinen erzählten.

Die Vorfreude ist groß: Begeistert berichtet er von dem Waisenhaus und der Grundschule, in der er arbeiten wird. Jedoch will er auch an anderen Projekten mitarbeiten, etwa mit Kindern, die schon im frühen Alter im Gefängnis sitzen oder mit Mädchen, die zur Prostitution gezwungen wurden.

Dennoch betont er, dass er dort einen normalen Zivildienst ableisten wird und keine Entwicklungshilfe, wie viele annehmen.

Dass Dominik im Waisenhaus arbeiten will, hat einem Grund: „Als der Älteste von insgesamt fünf Kindern, war ich nie alleine. Deshalb wollte ich auch unbedingt in ein Waisenhaus“. Ob dem gewachsen sein wird? Er findet: Ja. „Man wächst mit seinen Aufgaben“, antwortet er. „Ich denke das Schwierigste wird sein, den Kindern zu zeigen, dass man auch Spaß haben kann“, glaubt Dominic

Nach seinem Hinflug wird er zunächst eine zwei Wochen lange Akklimatisierungsphase im Bistum Alaminos, in der Provinz Pangasinan, absolvieren. Danach wartet ein vierwöchiger Sprachkurs in Tagalog, der zweiten Hauptsprache auf den Philippinen in der Hauptstadt Manila auf ihn. Diese Zeit verbringt Dominic zusammen mit einer Kollegin, die ebenfalls aus Deutschland kommt. Nach diesen gemeinsamen sechs Wochen fährt jeder in seine Arbeitsstätte.

Organisiert wird dies über das Bistum Limburg, dass auch der direkte Ansprechpartner Dominics während seines Aufenthaltes auf den Philippinen sein wird. Das Bistum Limburg vermittelte Dominic dann an das Bistum Alaminos auf den Philippinen. Wohnen wird Dominic dort bei einem katholischen Pfarrer. Etwa 90 Prozent der Bewohner auf den Philippinen katholisch. Das Waisenheim, in dem Dominic arbeiten wird, wurde von einem Schwestern-Orden aufgebaut.

„Um bei so etwas mitzumachen, muss man an etwas glauben, sonst sollte man dort gar nicht erst hingehen“, bekräftigt der Anspacher.

Finanziert wird dies alles zum einen von „weltwärts“, dem Freiwilligendienst des Bundesentwicklungsministeriums und dem Bistum Limburg. Zusätzlich finanziert er einen Eigenanteil durch Spenden und Unterstützer, die regelmäßige Informationen über sein Leben auf den Philippinen erhalten und bei Problemen notfalls auch helfen können.

Unterstützt wird er auch von seinen Eltern, die seine Entscheidung voll mittragen. Auf die Frage nach der Meinung seiner Freunde antwortete er, dass diese das „cool“ finden würden und die meisten ja auch ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren, nur eben in Deutschland. Eine feste Freundin hat er nicht mehr. „Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich jetzt so lange weg bin“, vermutet Dominic.

Auf das Thema Heimweh angesprochen, bleibt Dominic gelassen: „Heimweh gehört doch irgendwie dazu, und falls es ganz schlimm werden sollte, gibt es ja mittlerweile gute Internetverbindungen oder ich kann mich bei meiner deutschen Kollegin ausheulen“, schmunzelt er. Er würde sich auch freuen, wenn er ein paar Jahre ins Ausland ziehen könnte, um dort für das Auswärtige Amt zu arbeiten, jedoch müsste er wohl dafür sein Französisch etwas auffrischen.

Im Allgemeinen wirkt Dominic keinesfalls traurig, seine Heimat und die gewohnte Umgebung für eine so lange Zeit zu verlassen, sondern fröhlich und gespannt auf eine andere Welt und auf die Erfahrungen, die er sammeln wird.

Diese möchte er auch der Welt mit dem Blog www.maka-tao.de mitteilen, den er von Zacharias Steinmetz übernommen hat. Und „Maka Tao“, das heißt auf Deutsch „für die Menschen“. Und um die geht es ja vorrangig.

erschienen am 19. Juli 2011 im Usinger Anzeiger